014 - Marianne von Werefkin und Gabriele Münter, Portrait der Rosalie Leiß, 1909

Marianne von Werefkin und Gabriele Münter, Portrait der Rosalie Leiß, 1909

014 - Marianne von Werefkin und Gabriele Münter, Portrait der Rosalie Leiß, 1909

Gleich zwei Mal finden wir in diesem Raum die Murnauerin Rosalie Leiß im Porträt dargestellt. Sie hat 1909 sowohl Marianne von Werefkin, als auch Gabriele Münter Modell gesessen. Es ist davon auszugehen, dass es sich um dieselbe Sitzung handelte, die sich vermutlich über mehrere Tage hingezogen hat. In beiden Fällen ist das Gesicht eingerahmt durch ein markantes schwarzes Kopftuch, dessen bunt bestickte Enden nach vorne über die Schulter fallen. Ein eng geknotetes, helles Tuch stellt den Übergang zum hochgeschlossenen grünen Jackenkleid mit Schürze her. Bei dem Porträt Werefkins ist das langärmelige Kleid in dunklem blaugrün mit einer violett gestreiften Schürze versehen, bei Gabriele Münter trägt die Murnauerin eine moosgrüne Version mit blauem Schurz. Wenn auch beide Malerinnen die Farbflächen in Umrisslinien eingespannt haben, so setzt doch jede Künstlerin dieses stilistische Mittel ganz eigenständig um: Bei Marianne Werefkin sind die abgrenzenden Linien nur angedeutet, bei Gabriele Münter erinnern sie an die Malerei Alexej Jawlenskys und treten in dunklem Schwarz deutlich hervor, ebenso wie die einzelnen Pinselstriche an Gesicht, Jacke und Schürze. Auch die Hintergrundgestaltung beider Bilder unterscheidet sich voneinander. Bleibt Werefkin Ton in Ton beim Grün der Kleidung, so hat sich Münter für den Komplementärkontrast in kräftigem Rot entschieden. Diese Farbbehandlung findet sich auch in der Wiedergabe des Gesichts: Während der rote Hintergrund bei Münter auch in der verschatteten Augen- und Mundpartie der Bäuerin wieder aufgenommen wurde, spiegelt sich der grüne Hintergrund bei Werefkin in den grünen Augen der Porträtierten. Der größte Unterschied liegt aber in der Wahl des Bildausschnitts und der Blickrichtung. Als beobachte sie ein Geschehen weit außerhalb des Bildes, schaut Münters Rosalie Leiß leicht abgewandt zur Seite aus dem Bild hinaus. Der Betrachter scheint sie nicht weiter zu interessieren. Locker liegt ihre Hand auf dem Gehstock, die andere hat sie an den Schürzenrand gelegt. Der größere Ausschnitt und der abgewendete Blick schaffen Distanz zur dargestellten Person. Aufmerksamkeit erreicht das Portrait vielmehr durch die großflächige und mit kräftigen Farbkontrasten versehene malerische Gestaltung. Ganz anders bei Werefkins Bildnis. Ein waches Augenpaar blickt den Betrachter geradewegs aus dem leicht geröteten Gesicht an. Der Mund lächelt zaghaft und schafft somit eine verbindliche Näh