088 - Paul Klee, Der Berg der heiligen Katze, 1923

Paul Klee, Der Berg der heiligen Katze, 1923

088 - Paul Klee, Der Berg der heiligen Katze, 1923

Einen Sonderstatus genossen bei Klee die Katzen und so lässt sich das Aquarell „Der Berg der heiligen Katze“ nicht einfach unter die Naturdarstellungen einreihen. Katzen waren Lebensgefährten, aber auch nahezu überirdische Wesen, die Klee mit Hingabe beobachtete, liebte und verwöhnte. Es gibt zahlreiche namentlich überlieferte Katzen, die den Klee’schen Haushalt bevölkerten: Mietz und Nuggeli, die mit ihrer Nachkommenschaft das heimatliche Biotop am Berner Obstberg bewohnten, den klugen Fritzi der Weimarer Bauhauszeit und ein Perserkater, der Klee in seinem letzten Lebensjahrzehnt begleitete. Gefragt, was er in einem zweiten Leben werden wollte, antwortete er: „Katze – bei mir.“ Typische Stellungen und Bewegungen von Tieren zu erfassen – wie Franz Marc das tat –, das war nicht seine künstlerische Domäne. Klee konzentrierte sich auch bei Katzen auf sinnbildlich verschlüsselte Darstellungsformen, in dem er mit Ironie und Selbstironie die Katzenverehrung zum Thema machte. Die Katze ist hier zu einem Kultbild verklärt, das in hieratischer Strenge und Unnahbarkeit die Szenerie dominiert. Ihre monumentale Erscheinung deklassiert die menschliche Welt zu einer Randerscheinung, ihr überirdisches Leuchten überstrahlt wie von innen heraus die opake Dunkelheit der Umgebung. Ihr gemessener Abstieg von der Kultstätte steht im Gegensatz zu den Aufgeregtheiten des irdischen Fußvolks und möglicherweise sieht sich Klee sogar selbst in einem der beiden Figürchen repräsentiert; eine Persiflage auf die eigene abgöttische Katzenliebe ist es allemal.