Zentral in Klees künstlerischer Weltanschauung war seine Verbindung zur Natur. Insbesondere die Pflanzenwelt faszinierte ihn. Er betrachtete sie mit forschendem Blick und analysierte Blütenformen, Stängelgliederungen und Blattrippen. Goethes Naturlehre und dessen Theorie der Urpflanze beschäftigten ihn nachhaltig und in seinen Unterricht am Bauhaus bezog er neben Mathematik, Physik und Wahrnehmungspsychologie auch die Botanik mit ein. Im Kern ging es ihm darum, aus den Formen und Wachstumsprozessen der Natur Grundprinzipien herauszufiltern, die auf die Kunst übertragbar waren. Trotz seines quasiwissenschaftlichen Interesses an der Natur führte die Mehrzahl seiner Naturdarstellungen jedoch weit über diesen theoretischen Ansatz hinaus und nirgendwo in seinem Werk wucherte seine Fantasie so hemmungslos und abgründig wie in seinem „botanischen Theater“. Menschliches und Pflanzliches fließen ineinander und es entsteht eine fantastische Flora, die von zarten Empfindungen, aber auch begehrlichen Leidenschaften bewegt ist. Die ganze Bandbreite menschlicher Regungen spiegelt sich in Samen, Blüten und Früchten sowie in den zahlreichen Darstellungen geheimnisvoller Gärten. Eine regelrechte Bühnenschau inszenierte Klee in seinem Gemälde „Das Fest der Astern“. Die kraftvollen Pflanzen, die in den Gärten noch bis in den Spätherbst hinein für Farbe und Blütenschmuck sorgen, gruppierte er in choreografischer Ordnung und rahmte sie mit gebauschten Vorhängen. Wurzelwerk, Blätter und Blüten sind streng stilisiert und scheinen sich leuchtend dem Betrachter zuzuwenden; die nächtliche Atmosphäre erhöht den Glanz ihres Auftritts. Zugleich scheint sich in der violetten Grundfarbe mit den streifigen Weißhöhungen der Verfall anzukündigen und das „Fest der Astern“ als eine der letzten Darbietungen der Natur im Zyklus der Jahreszeiten zu präsentieren.